Blogtechnisches Netzleben

Haters gonna hate. Wait, what?

24 Apr ’12

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Seit Jahren beobachte ich es in Blogs und es war nie anders und es wird auch nie anders sein: negative Kommentare. Aber hey, wenn man schon einen Blog hat und den öffentlich betreibt und dann auch noch relativ bekannt macht, dann muss man eben auch mit negativer Kritik rechnen. Was? Nicht? Natürlich. Die Bekanntheit eines Bloggers beruht unter anderem darauf, dass ihn andere Blogger verlinken, dort kommentieren und sich austauschen. Ein Blog, das quasi zu einem kleinen Forum wird. Immer wieder gibt es dann jene, die dort herumstänkern, ihren Frust rauslassen. Aber es gibt nicht nur die.

Manche behaupten es sei Neid. Ein Argument, das auf dem Blog der österreichischen Fashion- und Lifestyle-Bloggerin Mangoblüte desöfteren kommt:

In diesem speziellen Fall werden Diskussionen teilweise noch dadurch angeheizt, dass man ein “thumbs up” oder “thumbs down” vergeben darf. In meinen Augen beabsichtigt und natürlich frustrierend. Ich persönlich kommentiere dort nur noch selten, weil ich prinzipiell IMMER negativ herabgestuft werde, so neutral mein Beitrag auch ist. Alles, das NICHT negativ ist, wird dort prinzipiell rot markiert.

Auch die schwedische Bloggerin Stina Auer bekommt immer wieder negative Kommentare auf ihrem Blog. Diese betreffen dann weniger Handtaschen oder Kosmetikartikel, als ihren persönlichen Lebensstil. Fragen nach ihrem Eheleben (warum sie von ihrem Mann getrennt lebt, obwohl sie ein gemeinsames Kind haben und zusammen sind) und negative Äußerungen zur Erziehung ihres kleinen Sohnes sind dort schon desöfteren aufgetaucht.

Auch auf dem Blog der Schweizerin Mirjam, chic und schlau, wird desöfteren kritisiert. Ihr werdet sicher selber einige Sachen in eurem bloggenden Umfeld finden, wo man sich aufs Hirn greift.

Und auch wenn ich Beschimpfungen jeglicher Art nicht gut heißen kann, bin ich doch immer wieder darüber erstaunt, wie erstaunt die Bloggerinnen doch darüber sind. Ja, richtig. Denn natürlich muss man, wenn man einen öffentlichen Blog führt, damit rechnen, dass nicht nur positive Anmerkungen kommen, wie so etwas hier, das ich auf Fashion Blogs immer wieder lese:

Das, was ich hier jetzt sage, trifft natürlich nicht auf alle zu. Es brennt mir ja schon seit langem auf der Zunge. Und es trifft auch nicht alles auf einen zu, aber es gibt schon so Dinge, die ich besonders in Hater-anfälligen Blogs beobachtet habe, die immer wieder auftreten. Denn es gibt genug Blogs, bei denen man vor Neid des Inhalts neidisch werden könnte, aber dort findet man seltsamerweise keine derart ausgeartet negativen Kommentare.

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    • Die Blogger antworten niemals auf Fragen oder Kommentare. Das “Forum” ist quasi sich selbst überlassen. Dadurch erweckt man natürlich den Anschein, dass es “eh wurscht” ist, was man schreibt, weil ohnehin nicht darauf eingegangen wird. Es ist – in meinen Augen – zudem respektlos, wenn man auf mehrmalige öffentliche Fragen keine Stellung bezieht.
    • Sehr provozierende Aussagen, die ohne Nachdenken gepostet werden. (“Alle, die bei H&M einkaufen, sind doof”)
    • Widersprüchlichkeiten: in einem Beitrag schreibt man dies, eine Woche später etwas anderes. Man glaubt es nicht, aber es gibt wirklich LeserInnen, die einen Blog über längere Zeit verfolgen und so etwas dann auffällt.
    • Werbung wird nicht gekennzeichnet. Damit hat sich ja Foxy in ihrer Diplomarbeit auseinandergesetzt. Zu welchem Schluss sie gekommen ist, weiß ich noch nicht und ich bin auch schon sehr gespannt auf ihre Ergebnisse. Nur soviel vorweg: Leute fühlen sich verarscht, wenn sie im Nachhinein draufkommen, dass das nicht die ehrliche Meinung des Bloggers/der Bloggerin war, sondern ein bezahlter Auftrag. Deshalb ist es oft besser zu kennzeichnen, wenn man etwas für Geld macht. Leider machen das die wenigsten.
    • Auch, wenn man sein Privatleben vor der Öffentlichkeit verstecken möchte, so macht man die Menschen dennoch neugierig. Spekulationen treten auf, das ist völlig normal. Darüber sollte man sich nicht wundern. Mir ist zudem aufgefallen, dass je “öffentlicher” Blogger leben, desto unangreifbarer machen sie sich lustigerweise. Dass man Fotos von seinen Kindern nicht posten will, verstehe ich, aber seinen Beruf geheim zu halten oder in welcher Branche man arbeitet, macht oft keinen Sinn. Ich will damit nicht sagen, dass jeder seinen Lebenslauf groß auf seinen Blog stellen sollte, man sollte aber trotzdem etwas Transparenz und Ehrlichkeit in die Sache reinbringen.
    • Scheinheiligkeit. Es werden bestimmte Themen propagiert, die sich aber allesamt in einem großen Lügenkonstrukt widersprechen und dazu führen, dass die Leute einen dann nicht mehr ernst nehmen.
    • Öffentlich zugeben, dass man aus Prinzip keine anderen Blogs liest. Nuff said.

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Natürlich könnte man jetzt sagen: “Aber niemand muss diesen Blog lesen”. Aber ich sage: “Aber niemand muss diesen Blog schreiben.”

Ich freue mich übrigens beim Fashion Camp 2012 unter anderem zu diesem Thema kurz Stellung nehmen zu dürfen. Ich freue mich über Kommentare und würde gerne eure Meinung wissen.

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  • Claudialovesfashion

    hi, mir hat das auch schon länger auf der zunge gebrannt, ich finde nur in deiner aufstellung fehlt ein kleiner punkt: provozieren um die leserzahlen konsequent hoch zu halten um besser an der werbung zu verdienen …
    guter artikel!
    lg claudia

    • iwonaw

      Natürlich. Manche machen das mit Absicht, um die Klickzahlen zu erhöhen, das steht außer Frage. Das passiert aber oft auch mit so Sachen wie der Einführung von Kommentarratings und den Verzicht sich zu äußern.

  • aposchreibt

    Wie ich durch den Titel eigentlich schon wusste wer zumindest erwähnt wird im Artikel ;) Ich muss ehrlich gestehen, dass ich von Zeit zu Zeit mangobluete lese – die Artikel interessieren mich eigentlich gar nicht, sondern wirklich nur die Comments.

    Ich finde es erstaunlich welche Energie viele Leute in das Erstellen von Hate-Posts, Rankings und ähnliches stecken. Gebe dir aber auch recht, dass es am Blog teilweise provoziert wird.

    Aber ehrlich gesagt könnte ich nie jemanden, den ich nicht persönlich kenne, soviel “Hass” oder Abneigung entgegen bringen. Dazu ist mir meine Zeit und mein Seelenheil zu schade.

    • iwonaw

      Ich lese den Blog von Mangoblüte insofern gern, als dass es dort nette Fotos gibt, Eventfotos etc. Die Kommentare sind aber auch immer sehr spannend. Ich glaube es hat oft gar nichts mit Hass zu tun, sondern mit den von mir oben genannten Punkten. 

  • Am Ende ist es doch wie bei anderen Dingen im Leben auch: es gibt Idioten, es gibt Spammer, und es gibt positiv eingestellte Menschen, die oft viel Herzblut in etwas stecken. Und zwar auf beiden Seiten (BloggerInnen wie KommentatorInnen).

    Je bekannter man ist und je provokativer die vertretenen Meinungen sind, umso mehr unpassende Reaktionen wird man sich zwangsläufig einfangen. Das war schon zu Zeitungs-Leserbrief-Zeiten so und wird auch noch so sein, wenn wir statt Blogs etwas ganz anderes nutzen – die Menschheit wird sich in absehbarer Zeit nicht radikal ändern, was das betrifft.

    Zusammengefasst würde ich es so formulieren: wer polarisierende Standpunkte vertritt, muss mit polarisierenden Antworten umgehen können und Zeit aufbringen. Wer langweilige Standpunkte vertritt, wird weniger Arbeit, aber auch weniger LeserInnen haben. Wer denkt, dass diese Regeln für Blogs nicht gelten, ist einfach zu doof dafür (achtung, Provokation!) oder hat noch nicht genug Weltzynismus geschnuppert.

    Haters gonna hate. Trollers gonna troll. Spammers gonna spam. Lovers gonna love.

  • Simi

    Sehr guter Artikel – wie oft wollte ich auch schon darüber schreiben. Ganz eigenartig finde ich aber auch BloggerInnen, die kritische Kommentare (und damit meine ich Belangloses wie: “dieses Outfit finde ich nicht so gelungen”) sofort löschen….find ich irgendwie auch ein wenig arm!

  • Monika Bratic

    mein senf zum thema: 
    ich hab oft den fashion blog einer bekannten gelesen. war auch der meinung, dass er “ehrlich” ist und sie authentisch ihre erfahrungen teilt. nur dann hab ich sie letzte woche bei einem geladenen dinner von einer großen beautymarke getroffen… dort habe ich sie auf einen beitrag angesprochen “du hast doch das und das ausprobiert und hast erzählt, dass es so leiwand ist….deswegen probier ich das jetzt auch” (es ging ums aufpicken von künstlichen wimpern,  kostet immerhin 200 euro…) und dann sagt sie zu mir: “na, das würd ich nicht ausprobieren, die sind ziemlich schnell wieder ausgefallen” – ich war echt schockiert. ich bin nämlich total naiv davon ausgegangen, dass es ein authentischer erfahrungsbericht ist. ist es aber nicht. wahrscheinlich bezahlt. oder zumindest gesponsert… und leider nicht gekennzeichnet. find ich einfach total unleiwand sowas…

    aber ein viel größeres phänomen ist folgendes: anscheinend werden immer mehr blogger von großen firmen auf reisen, galadinners und gratisklamotten eingeladen. anders als journallisten die  diese goodies nicht total groupiemäßig supporten wird bei bloggern die einladung oft in einem extra blogpost erwähnt. und das natürlich mit vielen props und aufgeregtem herumgegacker. ganz ehrlich: wenn mich ein großer konzern zum galadinner einlädt und mich mit sekt abfüllt: natürlich find ich dann seine produkte voll leiwand! ein wenig “kritische berichterstattung” erwarte ich mir auch in fashion und modeblogs, verdammt! (wenn die creme fettig ist, dann ist sie fettig! da hilft der champagner auch nichts mehr!)

    das zweite große manko: viele blogger fladdern bilder! da werden fotos beinhart kopiert ohne quellenangabe. und ganz schlimm find ich es, wenn das als vollkommene selbstverständliche praxis für die befüllung von blogs angesehen wird… find ich total scheiße. 

  • Hallo!

    das hast du schön und treffend analysiert – nämlich die Folgen sind, wenn Blogger ohne jegliche journalistische Kompetenz die Netiquette missachten. Wie Monika in ihrem Kommentar auch sagt: unreflektierte, “angefütterte” Berichte plus die Leserschaft “ned amoi ignorieren” – wenn das zusammenkommt, ist es sehr schwer, als LeserIn den Resepekt gegenüber der BloggerInnen zu wahren.
    lg, Paula

  • Sandra

    Wowwww Super Beitrag.. Kann alles genau so unterschreiben..

    Nervig vor allem in letzter Zeit ist die Berichterstattung über diverse Events von Kosmetikfirmen, usw. Es ist einfach nicht glaubhaft wenn Produkte dann natürlich positiv bewertet werden – eh klar dass es gefällt wenn ich einen schönen Aufenthalt in xy hatte. Aber Monika hat schon alles gesagt. 

  • Pingback: HATERS GONNA HATE – FOREVER | AFRAID OF US()

  • Danke für diesen Post! Ich persönlich habe keinen Blog und zwar genau weil ich nicht weiß wie ich mit negativer Kritik umgehen würde. Mein Mann führt jedoch einen Blog, an dem ich auch mitarbeite und ich bin jedes Mal über die teilweise sinnlosen Bemerkungen erstaunt (“dieses Bild ist Sch***, etc…). Vielleicht bin ich zu sensibel, aber ich weiß eben doch, dass man als Blogger darauf gefasst sein muss. Konstruktive Kritik finde ich okay, aber es gibt genügend Leute, die einfach nur gemein sind – weil sie sich gut dabei fühlen andere zu beleidigen und die Anonymität des Internets solche Kommentare erleichtert.
    Vielleicht überwinde ich ja irgendwann meine Angst vor negativen Rückmeldungen – bis dahin lese ich lieber so tolle Blogs wie deinen. :-)

  • Countess Claire

    Liebe Iwona, durch Zufall bin ich heute auf deinen Blog gestoßen. Gerade diesen Artikel finde ich sehr interessant. Blogs haben natürlich immer mit Selbstdarstellung zu tun, egal, worüber man schreibt, aber ich bin der Meinung, Privates kann durchaus privat bleiben.
    Ich verstehe nicht, warum man sich überhaupt die Mühe machen sollte, negative und unhöfliche Kommentare zu schreiben. Wenn mir etwas nicht gefällt, kommentiere ich nicht. Produktwerbungen auf Blogs mag ich ganz generell nicht, nach einem einmaligen Versuch habe ich festgestellt, dass das nicht meins ist. Aber jedem das Seine.
    Liebe Grüße,
    Claire