Interessantes u. Spannendes Life

Weihnachtswahnsinn. Oder: Dingen nachhetzen, die man nicht braucht

16 Dec ’12

Weihnachten ist ja immer so eine Zeit, in der alle glauben, Stress haben zu müssen. Alle eiern wie wild durch die Gegend, um irgendwelche Geschenke zu besorgen. Meist für Menschen, an denen ihnen den Rest des Jahres nichts liegt. Schon seltsam für mich, wenn man dann ein Mal im Jahr zwanghaft jemanden beschenken muss. Bei mir ist es ja so, dass ich eigentlich das ganze Jahr über immer wieder Kleinigkeiten an Menschen verschenke, die ich gern mag. Vor allem in der Familie. Deshalb beschenken wir uns teilweise zu Weihnachten nicht. Eine gute Lösung, wenn es auf Gegenseitigkeit beruht. Ich brauche keinen 24. Dezember, um jemanden zu beschenken. So haben ich und meine Schwester schon seit zwei oder drei Jahren das Agreement, uns an Weihnachten nichts zu schenken. Ist ja nicht unbedingt nötig, wenn man ohnehin schon unter dem Jahr mal etwas verschenkt. Zudem fällt mir selten ein, was ich jemandem schenken soll, wenn ich unter Zeitdruck stehe.

Time to relax

Dieses Jahr habe ich alles online bestellt, nur ein paar Kleinigkeiten wie Geschenkpapier usw. besorge ich im Geschäft. Aber auch der normale Einkauf wird da zum Stress. Wer eine Woche vor Weihnachten in den Lebensmittelgeschäften steht, wird bemerken, wie angespannt alle sind. Dabei heißt es doch, dass Weihnachten die ruhige Zeit des Jahres ist. Daran glaube ich aber schon lange nicht mehr. Auch, wenn Weihnachten für mich absolut nichts mit Religion zu tun hat, ist es schade, dass dieses Familienfest, zu dem alle zusammenkommen, in so einer Hetze ausartet. Am wenigsten bewundere ich in dieser Zeit des Jahres allerdings die Handelsangestellten. Die müssen wohl einiges aushalten: Menschen, die sich über die Verfügbarkeit von Produkten aufregen, gestresste Personen, die glauben, alles an einem Tag erledigen zu müssen und zu guter Letzt noch die, die keine Ahnung haben, was sie überhaupt herschenken sollen.

Trotzdem

Was mich dennoch etwas nervt, besonders in dieser Zeit, ist, wie unfreundlich teilweise Handelsangestellte sein können. Vielleicht bin ich ja altmodisch, aber es gibt für mich nichts Schlimmeres als ignorante VerkäuferInnen. So wie letztens bei Tchibo, wo ich eigentlich sehr selten hingehe. Ich habe einen Pyjama für meine Tochter gekauft. Einen ganz süßen mit einem Rentier drauf. Passt perfekt zur Weihnachtszeit und zudem dürfte er ziemlich bequem sein. Da ich selbst ein Pyjama-Fan bin, ging ich also rein, holte die passende Größe und stellte mich bei der Kassa an. Eigentlich brauchte ich keine Beratung und nichts. Ich war mit meinem Einkauf innerhalb weniger Minuten fertig. Vor mir waren zwei ältere Damen an der Reihe, die relativ lange gebraucht haben, aber ich habe mich nicht aufgeregt. Dann lege ich das gewünschte Produkt auf den Tresen. Die Dame an der Kasse hat mich weder gegrüßt, noch angesehen. Sie nahm das Ding, scannte es ein und tratschte in einer Tour mit der anderen Verkäuferin. Da ging es aber nicht um irgendwas Dringendes, sondern um deren Freizeitgestaltung. Kurz nahm die Dame noch wahr, dass ich mit Bankomat zahlen wollte, ließ mich zahlen, packte meinen Einkauf in ein Sackerl, schob es zu mir hin und verabschiedete mich nicht einmal, sondern kuderte mit ihrer Kollegin weiter. Ich ging raus und war ganz schön sauer: Wieso arbeitet man im Handel oder in der Gastronomie, wenn man es nicht schafft, freundlich zu den Kunden zu sein? Ich verstehe es ja, wenn Kunden unfreundlich und unumgänglich sind, dass man da selber böse wird. Aber ich bin eigentlich immer eine sehr freundliche Kundin. Ich rege mich nicht einmal auf, wenn die VerkäuferInnen dazwischen etwas holen müssen und ich länger warten muss. Oder, wenn sie Fehler machen. Jeder Mensch macht Fehler. Ich will aber nicht ignoriert werden.

I’m out

Nach diesem Einkauf fühlte ich mich so bestätigt in meinem Vorhaben, dieses Jahr ALLES online einzukaufen. Ich hab echt keinen Bock auf all den Wahnsinn in den Geschäften, überforderte Kunden, überfüllte Stores und unfreundliche VerkäuferInnen. Besonders im Advent scheint überhaupt nichts mit In-sich-gehen und Ruhe zu sein. Alle rennen wie wild herum, halb betrunken von irgendwelchen Weihnachtsfeiern, gestresst von der Arbeit. Und in Wirklichkeit wollen doch die wenigsten jemand anderem Freude bereiten. Die Leute würden doch viel lieber darauf verzichten. Aber jeder macht es trotzdem. “Weil es sich gehört” und weil es alle von einem erwarten. Man sollte sich vielleicht überlegen, inwieweit man wirklich Zeit und Geld in die Menschen um einen herum investieren  möchte. Ein tagelanger Geschenke-Marathon, der einen so viele Nerven kostet, dass man am Ende ohnehin keinen Bock mehr auf Weihnachten hat, kann doch nicht das Ziel sein. Ich habe deshalb beschlossen, auch in den nächsten Jahren mein Programm fortzuführen:

  • Rechtzeitig an Geschenke denken (Oktober, November)
  • Online einkaufen
  • In Geschäften einkaufen, die nicht allzu überfüllt sind. Meiden von Mariahilfer Straße, Graben oder Kärtner Straße.
  • Wem will ich wirklich was schenken und weiß ich überhaupt was?
  • Auch den Rest des Jahres daran denken, dass man Menschen eine Freude machen will

Keep cool

Ich jedenfalls freue mich auf Weihnachten aus einem Grund: Weil da die gesamte Familie zusammenkommt, man sich endlich mal Zeit nimmt und NICHT gestresst ist. Und diese paar Tage genieße ich auch wirklich. Gutes Essen, guter Wein, nette Menschen. Aufhören, Dingen nachzurennen, die man nicht braucht. Was will man dann eigentlich mehr?

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