Life Menschen

Taxifahren als Frau

20 Feb ’15

picture source: https://www.flickr.com/photos/zakmc/6290725551 (CC)

Ich bin sicher, dass jeder, der schon ein paar Mal ein Taxi benutzt hat, die ein oder andere lustige Geschichte auf Lager hat. Mich hat beispielsweise mal ein Taxler aussteigen lassen bevor wir auch nur annähernd am Ziel waren, weil er sich vor einer Polizeikontrolle, die 200m vor uns stattgefunden hat, gefürchtet hat. Das Auto hat er einfach stehen lassen und ist weggegangen. Gezahlt habe ich nichts, hätte ich auch nicht. Neben den lustigen Taxifahrern, die auch lustige Schwenks aus ihrem Leben erzählen können oder von anderen witzigen Fahrgästen berichten, gibt es die sogenannten “Creeps”, die durch merkwürdige Aussagen richtig furchteinflößend sein können.

Ich bin auch relativ sicher, dass viele von denen besonders Frauen gegenüber ein etwas fragwürdiges Verhalten an den Tag legen. Ich möchte sogar meinen, dass einige ihre weiblichen Fahrgäste regelrecht belästigen. Immer wieder höre ich solche Geschichten von Freundinnen, wenn man sich während eines Glas Weins von angespannten Taxigeschichten erzählt. Filmreif.

Zwei Mal habe ich es in Wien erlebt, dass mich ein Taxifahrer gefragt hat, ob er mit raufkommen könnte. So ganz im Ernst und gar nicht als Scherz gemeint. Oder die einen, vor dem Aussteigen fragen, ob man alleine wohnt. Oder die ganz geheimnisvoll beim Aussteigen sagen: “Ach, hier wohnen Sie also…”. Da bekommt man es manchmal schon mit der Angst zu tun.

Ganz komisch sind auch jene, die einen die ganze Fahrt über auf ungustiöse Art und Weise in ein Gespräch verwickeln. So geschah es eines Abends, dass mich ein Taxifahrer gefragt hat, warum ich denn schon so früh nach Hause fahre, der Abend sei noch jung. Dann habe ich gemeint, ich sei einfach müde. Warum ich darauf überhaupt geantwortet habe, weiß ich nicht. Dann hat er mir gesagt, ich müsste nur mit den richtigen Leuten unterwegs sein, dann würde sich das mit der Müdigkeit schon geben. Ich soll doch einfach mit ihm auf ein Bier gehen. Gleich da, zwei Straßen weiter. Er kennt da so ein Lokal, da ist es ganz gemütlich. Nicht zu laut, man kann sich unterhalten. Ich habe abgelehnt, fand das irgendwie zu dem Zeitpunkt aber noch ganz witzig. Er fand das aber nicht so lustig und redete immer mehr auf mich ein, mit völlig bescheuerten Argumenten. Ich solle doch mitkommen. Ob ich jetzt oder in einer Stunde nach Hause fahre, sei doch egal. Er bringe mich dann auch wieder nach Hause. Eine schöne Frau wie ich sollte ihren Samstagabend nicht alleine verbringen. “Lassen Sie mich bitte hier aussteigen”, bat ich. Etwas mulmig war mein Gefühl. Lässt er mich überhaupt aussteigen? Doch er zögerte nicht, blieb stehen. Den Rest des Weges ging ich zu Fuß.

Ich weiß nicht, wie oft überhaupt wirklich etwas passiert, Zahlen kenne ich keine, aber die vielen kleinen Begegnungen reichen mir eigentlich. Ob Taxifahren wirklich sicherer ist als zu Fuß zu gehen oder spät nachts noch öffentlich zu fahren, wage ich aber zu bezweifeln. Auch in der U-Bahn wird man manchmal blöd angesprochen, im Taxi passiert das jedoch viel häufiger kommt mir vor. Vielleicht, weil es keine Zeugen, niemanden gibt, der im Fall der Fälle eingreifen könnte. Es steht Aussage gegen Aussage. Auch eine Beschwerde beim Taxiunternehmen führt selten zu irgendeinem Ergebnis, denke ich. Man wird die Fahrer eventuell damit konfrontieren, aber ob es Folgen hat? Und so ganz toll ist es ja auch nicht, wenn die Person weiß, wo man in etwa wohnt.

Dass Frauen aber Angst vor dem Taxifahren haben, zeigt sich allein dadurch, dass sie beispielsweise die Nummer des Fahrers oder das Kennzeichen auf Social Media posten oder eingeweihten Freundinnen schicken. Warum? Man fühlt sich zumindest sicherer. Sollte etwas sein, hat man für später zumindest eine Nummer, mit der man etwas anfangen kann. Aber was bringt das, wenn man es während der Fahrt ohnehin nicht verhindern kann? Im Nachhinein ist man ja meist gescheiter.

Ganz schlimme Erlebnisse hatte ich bisher nicht, aber ich hab auch schon gehört, es soll Fahrer geben, die mit aussteigen und wirklich bis zum Haus mitgehen. Oder solche, die ihre weiblichen Fahrgäste sogar auf ungute Art und Weise angreifen. Alles schon gehört. Und urban legends werden das keine sein. Die Geschichten sind immer die gleichen, sie passieren in allen Städten. Schon merkwürdig, wenn man glaubt, sicher zu sein, aber in Wirklichkeit nur hoffen kann, sicher zu sein.


Habt ihr #Taxigeschichten auf Lager? Postet eure unter diesem Hashtag auf Twitter oder hinterlasst hier einen Kommentar.

0
  • Ich bin mal in Graz zu Fuß heimgegangen. Neben mir ist ein Taxler im Schritttempo gefahren, hat auf mich eingeredet, ich solle doch einsteigen. Er würde mich auch gratis mitnehmen.

    Und ja, ich hatte auch im Taxi schon öfter Gespräche, die mir unangenehm waren. Ich fahr total ungern Taxi. Dann lieber mit den Öffis, da sind auch in der Nacht andere Leute … potentielle Augenzeugen. Ich finde es aber schon irgendwie traurig, dass ich (und nicht nur ich) so denke.