Life

10 Jahre Wien – Was ich liebe und was mich nervt

27 May ’15

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Vor etwas über zehn Jahren bin ich, Landei, nach Wien gezogen und war selbst überrascht, wie schnell ich mich eingelebt habe. Wien ist eine Stadt, die wirklich lebenswert ist. Wenn man im Ausland sagt, dass man in Wien wohnt, erntet man üblicherweise neidische Blicke. Ja und wie unwienerisch wäre es von mir, wenn es da nicht auch ein paar Punkte gebe, die mich ein bisschen stören. Ich muss auch zugeben, dass ich nach zehn Jahren ein bisschen genug von der Stadt habe. Nicht so extrem, dass ich nach Oberösterreich oder nach Vorarlberg ziehen würde, aber schon so, dass ich weiß, in den nächsten Jahren (es werden ca. zwei sein) werde ich definitiv ein bisschen aufs Land ziehen, sodass ich aber immer nur einen Katzensprung von Wien entfernt bin.

Anlässlich meines Jubiläums, das eigentlich schon im Herbst war, hier meine ultimative Liste an Dingen, die ich an Wien sehr liebe und an jenen Sachen, die mich manchmal zur Weißglut treiben. Und ja, es ist Jammern auf hohem Niveau, denn eigentlich ist Wien eine tolle Stadt (ich muss auch zugeben, dass ich mir bei den negativen Sachen schon ein bisschen schwer getan habe)

Warum ich Wien liebe

  • Wien ist eine sichere Stadt. Es gibt immer Deppen, die das Gegenteil bezeichnen und meinen, seit der Osterweiterung der EU wäre alles so furchtbar und die Ausländer und überhaupt. Aber seien wir uns ganz ehrlich. Wien ist eine sichere Stadt. Ich habe mich in Wien noch nie wirklich unsicher gefühlt und das hat sich in zehn Jahren weder verschlechtert noch verbessert.
  • Wien ist voller Überraschungen. Es ist ein Wahnsinn: Man kann zehn Jahre in einer Stadt wohnen und man entdeckt trotzdem immer wieder ganz neue Welten in dieser City. Nicht nur bislang unbekannte tolle Gassen, sondern auch Gebiete, die einem vorher nie wirklich aufgefallen sind. Trotz seiner übersichtlichen Größe gibt es in Wien allerhand zu entdecken.
  • Wien ist Kultur. Ich rede gar nicht so sehr von Opern und Theatern, denn die sind und bleiben in Wien einfach toll. Ich rede mehr von so kleinen Kunstausstellungen und tollen Veranstaltungen für Kinder und alternative Kultur, also auch Sachen, von denen ich keine Ahnung habe und die ich nicht verstehen muss, denn Kunst und Kultur muss man nicht immer verstehen.
  • Wien ist ruhig. Im Gegensatz zu anderen Großstädten ist Wien nicht so stressig und unruhig.
  • Wien ist anders. Diese Stadt zeichnet sich in so vielen Punkten aus und ist in vielerlei Hinsicht einfach anders als andere Städte, dass man dafür wahrscheinlich zehn Listen bräuchte. Aber dem Motto wird die Stadt gerecht: Es ist einfach etwas Besonderes.

Was mich an Wien stört

  • Wien ist eine Verkehrshölle. Ich bin Autofahrerin und ich liebe Autos und ich liebe das Autofahren. Ich werde niemals zu einer Radfahrerin, auch wenn die ganze Stadt autofrei wird. Niemals. Ich bin aber schon auch dafür, Radwege zu machen und eine Verkehrsberuhigung zu bringen. Nur stört es mich, dass man zum Beispiel von Straßen einfach was abzweigt und einen Radweg hinmacht. Was für einen Sinn hat das? Da kann man doch gleich die ganze Spur für Fahrräder nehmen, denn vorbeikommen tut man mit dem Auto dann eh nicht. Sogar in Paris funktioniert das besser als hier und dort herrscht wohlgemerkt Anarchie auf den Straßen.
  • Wien ist keine Modestadt. Ich mag es nicht, wie die Wienerinnen und Wiener herumlaufen, ich finde, in Sachen Mode hat man hier einiges zu lernen.
  • Wien ist keine Musikstadt. Abgesehen von klassischer Musik habe ich in Wien in Punkto Musik nichts Aufregendes erlebt (und bitte sagt jetzt nicht Songcontest). Ich rede von Hip Hop Festivals, von coolen Elektro-Dingens. Nada. Niente.
  • Wien ist grantig. Ich weiß, es gehört zur Stadt, aber der Pessimismus und das “weils immer schon so woa” regen mich manchmal ziemlich auf. Ist zwar in ganz Österreich so, aber die WienerInnen führen das Ranking hier eindeutig an, besonders mit ihrer grantigen Stimmung, die mich desöfteren runterzieht.
  • Wien ist ein Dorf. Immer die gleichen Leute auf den immer gleichen Veranstaltungen. Mehr muss ich dazu nicht sagen.
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  • Adam™

    Ich hätte unten noch hinzugefügt: Wien hat ab Samstag 18 Uhr geschlossen. Obwohl wien am meisten Touristen in diesem Land anzieht, die in eine “Metropole” kommen um Urlaub zu machen um sich hier die Stadt an einem Wochenende anzusehen und dann stehen sie am Samstag abend vor geschlossenen Rolläden und am Sonntag haben sie die Auswahl zwischen Tankstellenshops und 3-4 (Minimini-)Filialen von Supermärkten mit reduziertem Sortiment. Man muss nicht mal ins Ausland schauen (Hallo Bratislava) um zu sehen, dass es besser funktioniert, nein, ein Blick nach Kärnten reicht um zu sehen, dass in touristischen Orten die Supermärkte sehr wohl offen haben, ohne reduziertem Sortiment. Aber Wien darf ja nicht Kärnten werden, oder so irgendwie halt.

    • iwonaw

      Da hast Du recht und das stört mich auch. Allerdings ist das für mich eher ein österreichisches als ein wienerisches Problem.

  • mingy

    Bzgl. Musik. Ich denke es kommt immer drauf an was man sucht. Aber Jazz/Rock-mäßig gibt’s “relativ” viel. Das “Local” hat fast jeden Tag interessante Acts, um nur eine Location zu nennen.

  • Stefan Schmölz

    Das man ohne reservieren fast nirgends mehr ohne Reservierung in einem Lokal einen Tisch bekommt, ist auch so eine Sache, weil hey, manchmal will sogar ich spontan sein.