Life

Der Sprung in die Ungewissheit

10 Jul ’15

photo by Tony Gigov

Gestern habe ich nach langer Überlegung meinen Job als Redakteurin bei derStandard.at gekündigt. Offiziell bin ich ja ohnehin noch bis Ende des Jahres in Karenz, aber die Kündigung habe ich trotzdem jetzt schon erledigt, damit sich die KollegInnen darauf einstellen können, dass ich aus der Karenz nicht zurückkehre.

Die Entscheidung, diesen wunderbaren Job aufzugeben, war keine einfache und sie hat weniger mit dem Arbeitgeber zu tun als vielmehr mit der Tatsache, dass die österreichische Medienbranche im Moment einfach unerträglich geworden ist für mich. Leider. Denn die Arbeit als solche habe ich geliebt, die Kollegen waren immer spitze. Es ist also nicht ganz einfach gewesen, ja, es war sogar richtig schwer.

Damit habe ich aber etwas gemacht, das ich zuvor noch nie gewagt habe: Ich habe nicht nur einen Job aufgegeben, den ich eigentlich sehr gern habe. Ich habe zusätzlich keinen Plan, wie es wirklich weitergehen wird. Natürlich habe ich jetzt noch etwas Zeit, mir genau zu überlegen, wohin es gehen soll, die Ungewissheit ist jedoch befreiend und angsteinflößend zugleich. Befreiend, weil einem einfach alles offen steht. Angsteinflößend, weil man nicht weiß, ob es so wird man es sich vorgestellt hat. Deshalb erst gar keine Vorstellungen.

Prinzipiell bin ich für alles offen, allerdings habe ich in meinem Kopf in den letzten Monaten zahlreiche Ideen gesponnen, wie es weitergehen könnte. Diese Ideen müssen nun sortiert und ausgewertet werden. In ein Angestelltenverhältnis möchte ich eigentlich nicht mehr gehen. Ich weiß, dass es viele Vorteile hat, aber ich weiß auch, dass mir die Vorteile der Selbständigkeit (auch wenn sie mit vielen Nachteilen behaftet sind) im Moment einfach wichtiger sind: Flexibilität und Eigenverantwortung. Vor allem aber: Wenn ich mir den Haxen ausreiße, dann nur für mich. Und nicht mehr, damit sich jemand anderer bereichern kann. Die schönsten Vorteile am Angestelltendasein hat man ja, wenn man plant, irgendwann Kinder zu bekommen. Dann bekommt man Wochengeld und dies und das und alles ist schön. Diese Vorteile brauche ich alle nicht mehr. Ich bin ein Freigeist, ich kann nicht unter der Fuchtel eines Konzerns arbeiten, auch wenn das bedeutet, dass nicht immer und nicht regelmäßig Geld in der Tasche ist.

Es wird nicht einfach am Anfang, aber ich freue mich darauf, meine eigene Herrin zu sein und die Dinge so zu machen wie ich es für richtig erachte und möchte. Und auch wenn ich weiß, dass ich manchmal länger arbeiten werde müssen und vielleicht sogar mal an einem freien Tag was machen muss: Die Freiheit, mir flexibel alles einzuteilen, ist es mir allemal wert. Kein Betteln um Urlaub oder ein paar freie Stunden, weil eine Schulaufführung ist.

Ich freue mich auf die nächsten Monate und bin gespannt, wohin es mich verschlägt. Ich bin motiviert, denn ich arbeite gerne und ich möchte auch etwas leisten und etwas machen, das mir Spaß macht. Ungewissheit ist manchmal unbequem. Aber sie bedeutet auch Freiheit. Und einen klaren Kopf für frischen und neuen Wind. Veränderungen sind nicht immer schlecht. Sie machen einem Angst, aber sie bringen einen weiter. Nur wer sich weiterbewegt, wird auch vorankommen.

Ich bin gespannt.

 

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  • Martin Harauer

    Ich bewundere dich zu deinem Entschluss nur mit ein paar Ideen einen solchen Schritt zu tun.
    Ich wünsche dir alles Gute für deinen weiteren Weg.

    • iwonalaub

      Danke :) Ein bisschen Zeit hab ich noch, um die Ideen reifen zu lassen. Ich glaube fest daran, dass das was wird

  • Viel Erfolg, wohin es dich auch verschlägt.

  • Jürgen Liechtenecker

    viel erfolg und alles gute. man muss die dinge im leben einfach nur machen, nicht zerdenken.

    ps: bloggerrelations würd ich nicht empfehlen oder content marketing oder ähnlichen kram.