Food

Street Food – Der Bullshit um den Hipster-Burger

26 Jul ’15

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So ziemlich jeden Tag entdecke ich auf Facebook oder in meinem E-Mail-Postfach Einladungen zu Street Food Events in Wien. Da gibt es das Street Food Festival, Street Kitchen Food Market, Soul Food Cinema Blabla und etliche mehr.  Wien ist einfach auch aus bürokratischer Sicht nicht für Street Food geschaffen, was man von Betreibern und Gastronomen regelmäßig liest. Wer schon einmal auf einer dieser Hipster-Veranstaltungen war, wird wissen, warum ich diesen Blogpost schreibe: Das hat mit Street Food absolut nichts zu tun und zwar aus mehreren Gründen.

  • Street Food sollte es auf der Straße geben: Ich finde es absurd, von Street Food zu sprechen, wenn es in Wirklichkeit einfach Märkte sind, auf die man mindestens eine halbe Stunde vor Eröffnung gehen muss, um überhaupt irgendwas zu essen zu bekommen. Ich war schon auf zwei dieser Veranstaltungen, wo ich nichts zu essen bekommen habe, weil die Wartezeiten auf einen verdammten Burger in der Größe einer Mandarine eine halbe Stunde oder länger waren. Bevor ihr also zu so einer Veranstaltung geht, rate ich euch, einfach vorher eine Pizza zu essen.
  • Street Food sollte günstig sein: Kein Mensch verlangt absurd niedrige Preise bei qualitativ halbwegs hochwertigem Essen. Aber für die Portionen, die man teilweise bekommt, und die absurden Preise, die man bezahlen muss, kann man anderswo zu zweit essen gehen.
  • Street Food hat nichts mit Bullshit zu tun: Sehr nett zu beobachten ist auf diesen Märkten auch immer die Masse an Leuten, die über Essen philosophieren können wie Friedrich Nietzsche über Ästhetik. Klar, über Essen kann man reden und eine Meinung haben, aber für viele ist Essen zu einer Religion geworden, die keine andere Meinung mehr zulässt. Vielfach wird dabei vergessen, dass Essen für viele Menschen ein täglicher Kampf ist: Nämlich ein finanzieller. Und dieses Bullshit-Bingo, das da teilweise an den Tag gelegt wird, ist so dermaßen arrogant und abgehoben dass ich manchmal denke, ich bin auf dem falschen Planeten gelandet.
  • Street Food ist zu exklusiv: Irgendwie scheint es hip und trendy zu sein, damit zu prahlen, in welchem abgehobenen, aber doch abgefuckten Beisl man nicht schon war und welch selten geiles Fleisch und exotisches Getränk man dort nicht konsumiert hat. Die Leute, die dieser Aktivität am eifrigsten nachgehen, sind jene, die Fashion Blogger als “oberflächlich” und “spießig” bezeichnen. Ich frage mich teilweise wirklich, in welcher Welt diese Leute leben und ob sie nicht sehen, wie abgehoben und irrelevant ihr Gebrabbel über Essen ist.
  • Street Food ist keine Haute Cuisine: Wir sind uns wohl alle einig darüber, dass gutes Essen vor allem eine Frage der Qualität der Zutaten ist. Und dass “Straßenessen” nicht unbedingt etwas mit Haute Cuisine zu tun hat, auch. Ich finde es befremdlich, wenn bei jeder verdammten einzelnen Zutat betont wird, dass es “bio” ist und der Käse aus Hintertupfing und das Rindfleisch aus Kukuruzpfurzen kommt und die Sauce womöglich mit einer speziellen Zwiebelsorte gemacht wurde, die es nur alle fünf Jahre bei einem bestimmten Bauern in einem Tal gibt, zu dem man zu Fuß gehen muss, um es zu ernten, dann mag ich schon gar nicht mehr essen, weil das geht mir einfach nur am Arsch und ist genauso unnötig und dramatisch wie eine Sportveranstaltung. Wer hat den größeren, mühsameren, längeren Weg gemacht, um an die Zutaten zu kommen? What the fuck?
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  • Oh man, du sprichst mir aus dem Herzen :D Ich bin bisher nie hingegangen, auch wenn das Essen ja echt lecker aussah. Ich finde das Konzept, anstehen und Eintritt zu zahlen, um sich Essen KAUFEN zu DÜRFEN echt abstoßend irgendwie.