Food

Küchen-Fails und ihre Folgen

4 Feb ’16

Wie wahrscheinlich jeder Mensch, der gerne kocht, improvisiere ich sehr viel. Wenn ich zum Beispiel irgendwo etwas Gutes esse, dann frage ich selten nach dem Rezept. Ich frage vielmehr nur nach den Zutaten. Meistens kann ich mir eh denken, wie man es macht. Bei Torten ist das natürlich schwieriger als bei einem Hauptmenü.

Meine Improvisation führt aber manchmal dazu, dass etwas auch misslingt. Neulich wollte ich Knacker machen. Ich weiß nicht warum, aber ich hatte wieder mal Bock auf diese Wurst. Ich wollte sie ordentlich anbraten, mit Zwiebeln füllen und dazu so richtig gute, knusprige Bratkartoffel machen. Ich habe die Kartoffeln etwas vorgekocht, sie gewürfelt und ordentlich angebraten – dazu Salz und ein bisschen Paprikapulver. Hat super geschmeckt. Nun habe ich aber gemerkt, dass ich die Würste gar nicht mehr habe. Ich habe währenddessen im Kühlschrank gesehen, dass noch ein Karfiol da ist, also dachte ich: Röstest die Zwiebel mit dem Karfiol an. Und als ich das gemacht habe, wurde ich übermütig. Ich habe begonnen alles Mögliche da reinzugeben, Kräuter und zwei Champignons. Und auch noch Kokosmilch. Und das war das Ende. Es schmeckte scheußlich. Ich versuchte es mit allerlei anderen Gewürzen zu retten, aber das machte alles nur noch schlimmer. Am Ende hatte ich nur noch die Kartoffeln.

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Und da fiel mir ein: Ich hatte Cheddar im Kühlschrank. Also hab ich den Cheddar noch in die Pfanne gerieben und mitbraten lassen. Waren zwar nur Kartoffeln, aber dafür richtig coole. Und dann dachte ich mir: Die mach ich sicher wieder mal.

Natürlich ist es schade um die anderen Zutaten. Aus dem kleinen Karfiol hätte ich auch noch was Gutes machen können. Aber solche Fehltritte sind in Küchen einfach nicht zu vermeiden von Zeit zu Zeit. Deshalb sollte man daraus das Beste machen. Und wenn es echt nur blöde Kartoffeln sind.

Manche Leute behaupten ja, dass so die besten Gerichte der Welt entstehen. Ich glaube nicht daran. Ich glaube, wenn ich an dem Punkt angekommen bin, an dem ich übermütig werde, wird es nichts mehr. Man muss sich eigentlich schon etwas überlegen, wenn man kocht. Aber wie bei jeder kreativen Arbeit kann man sich auch hier einfach in seinen Gedanken und seinem Enthusiasmus verirren.

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  • Ab und steht Küchenchef Zufall dann doch Pate für ein gutes Gericht. Und ja, Übermut tut nicht immer gut – hier hätte ich die Kokosmilch in Verdacht. Klar, wenn man kochen kann, dann kann man schon in etwa abschätzen, was gut tut – oder was man lassen sollte. Manchmal geht aber auch mal was schief. Andererseits – ich stell mir immer vor, wie es kam, dass man das Fleisch vom Mammut nicht einfach roh vom Knochen nagte: Abends, am Lagerfeuer, als die Gruppe den erlegten Elefantenurahn verspeisten und sich mit dem zähen Fleisch abmühten, musste einem nicht besonders geschickten Neandertaler der Knochen ins Feuer gefallen sein. Alle lachten ihn aus. Er schämte sich. Ärgerte sich. Und holte sich dann doch sein ihm zugewiesenes Stück Fleisch aus dem Feuer. Vorsichtig putzte er Asche und Kohlenstücke ab und dann biss er – unter dem höhnischen Gelächter der anderen – in das erste Blue-Rare-Steak der Welt. Seine Scham wich einem Überlegenheitsgefühl. Der Geschmack war unbeschreiblich. Und er wusste, das er ab nun die Lacher auf seiner Seite haben sollte.