Es gibt kein “French Girl”

Es ist ein Phänomen, das sich durch sämtliche Fashion und Lifestyle Magazine zieht und eigentlich seit Jahrzehnten aufrecht erhalten wird: Der Mythos um das sogenannte “French Girl”. Allein auf Vogue.com gibt es unzählige Artikel zu dem Thema, auch wenn die Suche nur die aktuellsten ausspuckt. “This Blowout will give you perfect French Girl Hair” oder “The Secret Art of French Girl Lingerie”.

Wir sind uns wohl alle einig, dass es sicher irgendwann einmal ein French Girl gab. Lasst uns einen Augenblick an Brigitte Bardot denken. Oder an Catherine Deneuve. Aber wie lange ist das alles her? 50, 60 Jahre mittlerweile. Ich glaube nicht, dass es in Zeiten der Globalisierung, in denen so ziemlich jeder die gleiche Mode (zumindest in der westlichen Welt) trägt und in die gleichen Läden geht, es eine Stereotype einer französischen Frau gibt. Was soll das überhaupt sein?

Geht es nach diesen Magazinen, ist die französische Frau immer mit sexy Unterwäsche ausgestattet, egal wo sie hingeht. Sie hat immer zerzauste Haare, die ungewollt einfach total schick aussehen. Sie benutzt nur wenig Make-up, hat aber immer geschminkte Lippen und sieht perfekt aus. Sie ist ein Genussmensch und raucht, genießt das Leben, trägt – wenn überhaupt – nur dezenten Schmuck und ist immer ausgeschlafen. Ansehen tut man ihr das aber nicht, denn ihr Schlafzimmerblick ist weltbekannt. Sie liebt Rotwein. Ah, nicht zu vergessen: Ihre natürlichen Augenbrauen, die zwar perfekt gezupft sind aber ungezupft aussehen sollen. Und: Sie ist niemals dick, sie kann essen was sie will. Workout macht sie auch nicht, denn das ist für französische Frauen kein Thema.

So lautet zumindest zusammengefasst die Definition einer französischen Frau. Denkt man jetzt an aktuelle französische Schauspielerinnen, wird man einen Unterschied zu ihren Kolleginnen aus den USA oder Deutschland eigentlich kaum Unterschiede merken. Wie auch, wenn die Damen überall dasselbe einkaufen und dieselben Magazine lesen? Es gibt für Männer sogar Tipps, wie man am besten an eine französische Dame kommt. Man muss ihr immer gaaaanz viele Komplimente machen, sie liebt Blumen und Schokolade. Und von der wird sie einfach nicht dick.

Der Autor und Journalist Matthew Fraser schreibt zum Beispiel auf seiner Website:

By the time French girls are adolescents, many have become manically adept at starving themselves to stay thin. They have also learned from their mothers the most effective appetite suppression technique: cigarettes.

Natürlich ist das irgendwo auch ein Klischee, aber seien wir uns ehrlich: Die wenigsten Frauen sind so schlank wie es die Magazine gerne hätten. Ohne Verzicht oder zumindest sehr häufigen Sport wird das also nix werden mit dem French-Girl-Aussehen. In den 70ern und 80ern gab es sogar einige Skandale, als hunderte Frauen durch den Missbrauch von Diätpillen gestorben waren. Fraser schreibt, dass die besagte Pille erst 2009 vom Markt genommen waren und zu diesem Zeitpunkt etwa 300.000 regelmäßige Abnehmer hatte. Das ist also kein Klischee. Französische Frauen haben den Ruf, schlank zu sein, weil viele von ihnen einfach konstant auf Diät sind. Mit französischem Genuss-Lifestyle hat das für mich überhaupt nichts mehr zu tun.

Joanna Robertson hat für BBC auch einen Artikel dazu geschrieben, in dem sie Sonia Feertchack, die Chefredakteurin eines französischen Gesundheitsmagazins, zitiert, wie es um dicke Frauen in Frankreich steht:

There is simply no mystery about it. Of course French women grow fat. But the fact is they daren’t, and some will even starve themselves because in this society to be a fat female is to be a failure.

Warum wird das Idealbild der französischen Frau dann immer noch verwendet? Weil die Amerikaner irgendwie eine fast perverse Verehrung gegenüber französischen Frauen ausüben und zelebrieren. Ihr Stereotyp ist zum Idealbild des gesamten unerreichbaren Schönheitsideals geworden. Und dieses wird eben über Fashion Magazine hochgehalten. Mit Frankreich oder dem Französischsein hat das überhaupt nichts mehr zu tun. Der Mythos lebt aber einfach weiter, weil er zu schön klingt um wahr zu sein.

Der Wiener Einheitsbrei

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Seit vielen Jahren wohne ich in der Nähe der Alser Straße. Jetzt innerhalb des Gürtels, also ganz nah, früher auf der anderen Seite, aber immer einen Katzensprung entfernt. Ich kenne diese Straße wie das Innere meiner Westentasche, da ich, wenn schon nicht direkt dort, immer zumindest auf vielen meinen Wegen durchfahre. Fast täglich.

Die Alser Straße hat einen großen Vorteil: Sie ist zwar einkaufstechnisch ob ihrer Größe nicht so erwähnenswert wie die MaHü oder die Kärntner Straße, hat aber aufgrund ihrer Nähe zum alten AKH eine tolle Lage. Nach dem Einkauf schnell noch einen Kaffee im Park trinken oder in der Gastwirtschaft sitzen, während die Kinder am Spielplatz spielen. Die Verkehrsanbindung ist gut und man ist fast mitten in der Stadt, immerhin ist schon einige Meter weiter der erste Bezirk.

Leider ist meine Wunschvorstellung von so einer Straße aber eine völlig gegensätzliche zu der realen: Statt individueller netter und attraktiver Läden herrscht hier der absolute Wahnsinn, der sich sogar noch über den Gürtel hinaus auf die Hernalser Hauptstraße zieht. Ja, ich möchte sogar meinen, dass der Hernalser-Hauptstraßen-Effekt auf die Alser Straße übergeschwappt ist und möchte euch das näher veranschaulichen.

Bis vor etwa über einem Jahr gab es auf der Alser Straße an der Ecke zur Pelikangasse ein sehr nettes Geschäft, dessen Namen ich – wie auch bei den restlichen – aus rechtlichen Gründen nicht nennen werde. Es gab dort so tolle Sachen. Ich war regelmäßig dort: Spiele, Spielzeug, Papeterie, Büroartikel etc. Viel bessere Auswahl als bei der Konkurrenz, es gab regelmäßig Aktionen und die Preise waren spitze. So spitze, dass ich echt viel dort gekauft habe, obwohl ich eine Internet-Bestellerin der Sorte Hardcore bin. Leider hat das Geschäft zugesperrt, unter der Hand hat mir eine Verkäuferin auf meine Nachfrage von finanziellen Schwierigkeiten erzählt. Schade, dachte ich. Es war das erste mal überhaupt, dass ich richtig traurig darüber war, dass ein Laden dicht macht. Für Spielzeug gibt es für mich jetzt überhaupt nur noch zwei mögliche Orte in Wien.

Ein paar Monate später eröffnete im frei gewordenen Geschäftslokal eine Drogerie. Kein Wunder, dachte ich. Die absurden Mietpreise in dieser Lage können sich wohl nur noch Konzerne leisten. Was mir damals aber komisch vorkam und worüber ich mich bis heute wundere: 200 Meter weiter, auf der selben Straße, nur auf der anderen Seite, ist das gleiche Geschäft.

Diese Absurdität hat auf der Alser Straße Tradition. Es gibt auf den wenigen Hundert Metern, die diese Straße hat, denn mehr sind es nicht, zwei Drogerien eines Konzerns, zwei Drogerien eines anderen Konzerns, zwei Lebensmittelgeschäfte eines Konzerns und dazwischen ein paar andere Riesen. Die Kleinen sterben aus und werden zunehmend durch die Goliaths ersetzt. Im Unterschied zur Hernalser Hauptstraße gibt es hier allerdings nur ein Wettcafé. Das ist aber auch schon das einzig Positive.

Die ehemalige Niedermeyr-Filiale steht übrigens seit Jahren leer und ist nur noch interessant für Sprayer. Die Trafik neben der Apotheke hat vor kurzem dicht gemacht, aber kein Wunder, denn innerhalb von 150 Metern gibt es zwei andere.

Die einzig attraktiven sind ein Schokoladen-Geschäft, ein Blumenhändler und ein Buchladen. Die anderen wechseln alle paar Monate den Besitzer. Mal ist es Kinderbekleidung, mal Schmuck, mal Haarentfernung, mal Lachs (ja, wtf).

Ich hätte mir jedenfalls statt dem Einheitsbrei mal etwas anderes gewünscht. Aber etwas, das dann auch mal länger bleibt. Wünschen wird man sich sowas ja wohl noch dürfen. Auch wenn es unrealistisch ist.

Die Suche nach dem Brautkleid. Oder: Wien ist keine Modestadt

Man liest ja immer wieder und es ist ja auch kein sonderlich großes Geheimnis, dass Wien für Wählerische zum Shoppen von Kleidung einfach absolut ungeeignet ist. Und glaubt mir, wenn ich euch sage, dass sich dies vor allem dann bemerkbar macht, wenn man nach einem Brautkleid sucht. Die Auswahl an sich ist ja nicht unbedingt klein. Es gibt große Geschäfte, die einen riesigen Fundus an Kleidern haben und auch einige kleinere Shops, die sicher eine gute klassische Auswahl bieten. Aber da wären wir auch schon beim Problem: Wer an seinem “großen” Tag eine Prinzessin sein will und auf Bling-Bling steht, wird in Wien absolut kein Problem haben. Eine Bekannte meinte auf Facebook, in Wien sei der “Sissi-Einfluss” einfach zu groß und vermutlich hat sie recht.

Avantgardisten oder unkonventionelle Designer in Sachen Brautkleid gibt es – abgesehen von Michel Mayer und Eva Poleschinski – mit Sicherheit so gut wie keine. Und bei den wirklich “großen” Designern sucht man in Wien ebenfalls vergebens. Keine Vera Wang, kein Oscar de la Renta, eine sehr kleine Auswahl an Valentino und einige Modelle von Elie Saab. Abseits davon gibt es eigentlich NICHTS. Außer ich weiß von irgendeinem Geheimtipp nichts, aber meine intensive Recherche der letzten Monate hat einfach nichts Brauchbares ergeben.

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Pinterest eignet sich übrigens hervorragend, um sich Inspirationen für Kleider zu holen (klicken, um auf mein Pinterest-Board zu gelangen)

Dabei sind meine Kriterien für das Brautkleid meines Erachtens gar nicht so groß oder außergewöhnlich:

  • Es soll modern sein
  • Nicht “zu brav” aussehen
  • Kein Glitzer
  • Keine Pailletten
  • Keine Blümchen-Stickereien
  • Keine kitschige Spitze
  • Qualitativ höchstwertige Stoffe

Kurz zusammengefasst: Ich. Mag. Kitsch. Nicht. Punkt.

Bei Kriterien Nummer drei, vier und fünf fallen schon einmal locker 90 Prozent aller Kleider weg. Ich bin sicher, dass viele Frauen an ihrem Hochzeitstag glänzen wollen. Im wahrsten Sinne. Das ist auch absolut okay, aber nicht jeder Frau gefällt das. Und zu mir passt das einfach überhaupt nicht Mir kommt vor, dass viele Unternehmen, die Hochzeitskleider herstellen, einfach in den 90ern stecken geblieben sind. Die Designs haben sich kaum verändert und diese kleinen Details an den Kleidern sind einfach immer wieder die gleichen. Leider. Absolut kein Mut, auch ein paar unkonventionelle Modelle herzustellen. Aber ja, vielleicht ist die Zielgruppe dafür auch eine viel zu kleine.

Viele meiner Freundinnen und Bekannten haben in den letzten ein bis zwei Jahren ihre Kleider zum Großteil im Ausland gekauft. London, Paris, Mailand. Ja, sogar Tel Aviv. Dort gibt es nämlich den oben besagten “großen” auch eine Menge kleiner netter Designer, die tolle Sachen machen und auch offen für Individuelles sind. Ich meine, sogar in Beirut gibt es coolere Sachen als bei uns.

Auf jeden Fall habe ich mein Kleid quasi schon ausgewählt, werde mir im Jänner in Wien noch ein oder zwei Sachen anschauen und dann das Wunschkleid holen – allerdings nicht in Wien.

Die besten Instagram-Accounts aus Nordkorea

Nordkorea übt auf viele Menschen Faszination aus. Weil es ein Land ist, das so anders ist als alle anderen und weil es so schwer ist, wirklich etwas Wahres und Richtiges darüber zu erfahren. Zudem gelingt es nur wenigen Menschen, authentische Fotos aus dem Land zu veröffentlichen und so habe ich mich vor einiger Zeit auf die Suche nach Accounts gemacht, die regelmäßig interessante Fotos aus dem nordkoreanischen Alltag posten.

@drewkelly

drewkelly

Der Instagrammer @drewkelly ist Lehrer oder arbeitet an einer Uni – so genau ist das leider nicht zu entnehmen. Er postet sehr viele Fotos aus Nordkorea, vor allem aus dem Leben der dortigen Studierenden. Ab und zu, wenn er zuhause ist, findet man auch Fotos aus den USA wieder, aber diese sind meist nicht weniger interessant. Er zeigt nicht nur Menschen, sondern auch das nordkoreanische Essen, Architektur aus Pyöngyang oder skurrile Artikel, die er im Supermarkt findet.

@everydaydprk

everydaydprk

Wer auf Nummer sicher gehen will und nur die besten der besten Fotos aus Nordkorea haben will, sollte unbedingt @everydaydprk folgen. Hier findet man Fotos von verschiedenen Instagrammern und Fotografen, darunter auch einige der hier vorgestellten.

@andrea_uri

andrea_uri

Die New Yorkerin koreanischer Abstammung @andrea_uri teilt ihre Fotos ebenfalls mit der Öffentlichkeit, allerdings befinden sich darunter auch viele aus China und anderen Ländern Asiens. Andrea Lee, so ihr bürgerlicher Name, postet zu den Fotos auch immer wieder viele Informationen und antwortet hin und wieder auch in den Kommentaren auf Fragen.

@krahun

krahun

Ein Tourismusunternehmen namens @krahun hat zwar nur über 300 Follower, ist aber auch immer wieder sehr interessant, weil es Nordkorea teilweise aus einer eher ungewöhnlichen Perspektive zeigt. Hier werden auch Unternehmen und kleine Betriebe portraitiert oder Museen gezeigt.

@soominee

soominee

Michelle, eine junge Dame, die in Nordkorea arbeitet, ist unter @soominee zu finden. Sie verwendet Instagram auch als persönlichen Raum, um über ihren Aufenthalt und ihre Erfahrungen in Nordkorea zu berichten, ihre Bildbeschreibungen sind oft länger und sehr informativ.

@sunbimari

sunbimari

Fotos aus beiden Koreas bekommt man bei @sunbimari zu sehen. Hier könnte vor allem der Unterschied zwischen den beiden Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, gezeigt werden. Aus Südkorea gibt es von dem Dolmetscher, der auch immer wieder aus anderen Destinationen postet, im Moment leider nur sehr wenig zu sehen.

@vickynam

vickynam

Immer wieder auf Tour in Nordkorea befindet sich @vickynam, die eindrucksvolle Fotos aus dem Alltag der Nordkoreaner zeigt und Menschen portraitiert, die in Pyöngyang beheimatet sind. Auch bei ihr findet man einige spannende Skurrilitäten.

@simonkoryo

simonkoryo

Über 140 Mal in Nordkorea war @simonkoryo, der Mann an der Spitze von Koryo Tours, einem Reiseveranstalter, der sich auf Nordkorea-Reisen spezialisiert hat.

@dguttenfelder

dguttenfelder

David Guttenfelder, AP-Fotograf und nun aktiv für National Geographic, postet im Moment leider keine Fotos aus Nordkorea, aber seine früheren Bilder sind einfach der Hammer und irrsinnig schön. Es gibt kaum Fotografen, die Nordkorea so toll portraitiert haben wie dieser Mann. Auch seine anderen Bilder sind wirklich toll.

5 Erkenntnisse vom #Mediencamp

Am 22. November fand das Mediencamp in Wien statt und es haben sich eine Vielzahl an interessanten Vorträgen und Diskussionen ergeben. Sehr interessant und eigentlich auch schade, dass so wenige Medienvertreter gekommen sind. Aber umso besser waren dafür die Erkenntnisse, die ich für mich persönlich gewonnen habe und hier teilen möchte. Würden alle Veranstaltungen in der Branche so ablaufen, käme man deutlich weiter. Stattdessen sitzen ja immer die gleichen fünf Hanseln am Podium und jammern darüber, wie schlecht alles ist und wie furchtbar Google ist.

1. “Filter-Bubble” war das Wort des Tages

In fast jedem Vortrag mussten wir uns wieder selbst daran erinnern, dass Medien und die Art, wie wir Medien und Nachrichten konsumieren, sehr stark von der eigenen Filter-Bubble abhängen. Jugendliche konsumieren anders als Medienmenschen und diese wiederum anders als beispielsweise Personen mit niedrigerem Bildungsstand. Das ist wichtig zu wissen, weil man ja als Medienmensch auch immer an eine relativ breite Gruppe herantreten möchte. Die Wahrnehmung wird vor allem durch den eigenen sozialen Kreis massiv beeinflusst.

2. Einfach mal die Fresse halten

Besonders “Alpha-Journalisten”, “Alpha-Twitterer” und andere alte Hasen mit einer großen Reichweite beteiligen sich oft an sogenannten Shitstorms, obwohl sie diese gleichzeitig verurteilen. Die sogenannte Sau, die jeden Tag durch das Twitterdorf getrieben wird, ist aber oft am nächsten Tag vergessen. Dies erzeugt einerseits das Problem, dass über tatsächliche Probleme kaum noch Aufregungspotential da ist und auf der anderen Seite gibt es auf Entschuldigungen keine Katharsis-Reaktion. Man empört sich weiter, weil man sich in seine Empörung so reinsteigert und einer boshafter als der andere ist. Das ist teilweise unmenschlich und bewirkt Abstumpfung. Man sollte sich deshalb besser überlegen, wie man Kritik im Netz formuliert und sich lösungsorientierter verhalten.

3. Die Alten können von den Jungen einiges lernen

Interessant war, dass sehr viele sehr junge Menschen viel zu sagen hatten und auch viele Denkanstöße geben konnten, wenn es um die Zukunft von Medien ging. Sie sind Digital Natives, kennen die Branche teilweise relativ gut und wissen auch, wo sie hin möchten. Sie verstehen aber auf der anderen Seite nicht ganz, weshalb an alten bzw. veralteten Modellen so krampfhaft festgehalten wird. Junge haben extrem gute Ideen, sind innovativ und können einen entscheidenden Teil zur Weiterentwicklung beitragen, werden aber leider selten angehört, da hierarchische Strukturen es nicht zulassen. Das ist frustrierend.

4. Förderungen sind kein Geschäftsmodell

In einigen Vorträgen wurde darüber gesprochen, wie man möglichst effizient an Fördergelder kommt. Ein Geschäftsmodell kann aber nicht darauf hinauslaufen, dass man sich abhängig von Förderungen macht. Es braucht ein Modell, bei dem man auch ohne diese Finanzierungsmodelle, die vom Staat, der Europäischen Union oder anderen Institutionen kommen, überleben und leben kann. Es gab auch zahlreiche Diskussionen darüber, wie sich Plattformen finanzieren können, eine eindeutige Lösung ist aber nicht in Sicht, jede Plattform muss die für sich beste Strategie finden und vor allem einiges ausprobieren.

5. Nischen sind der wahre Geldbringer

Kein Mensch wird je für Nachrichten bezahlen. News, die austauschbar sind, sind Menschen keinen Cent wert. Medien müssen Themen finden, die ihre Plattform massiv von den anderer Medienhäuser unterscheidet. Nur wenn der Nutzer einen Mehrwert hat und eine Leistung dafür bekommt, wird er Geld in die Hand nehmen wollen. Alleinstellungsmerkmale von Medien könnten dazu genutzt werden, Geld zu generieren. Vor allem muss dem Leser/der Leserin die Möglichkeit gegeben werden, das so niederschwellig wie möglich zu machen. Abos für Online-Medien sind nicht zeitgemäß, weil man nicht nur ein Medium, sondern mehrere liest und sich nicht an ein bestimmtes Medium binden möchte. Online-Medien werden nicht wie Zeitungen in Haushalten konsumiert. Dieses Modell ist deshalb veraltet und muss überarbeitet werden. Special Interest Themen sind wichtig, weil sie einer kleineren Gruppe etwas bieten, das diese sonst nirgends bekommt. Dann ist auch die Zahlungsbereitschaft eine größere. Und wie wir von Netflix, Spotify und Co. wissen: Die Menschen geben für den Konsum von Medien auch Geld aus.

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Meine Präsentation zum Thema “Die Zukunft der Papierzeitung” ist übrigens auf Slideshare zu finden.