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Die Uebermutter. Oder: die 40jaehrige, die es besser weisz

9 Dec ’11

Als ich mit 20 ein Kind bekommen habe, war ich relativ jung. Das meinten zumindest alle anderen. Ich sah es irgendwie als die natürlichste Sache der Welt. Und natürlich muss man mit 20 mit anderen Problemen kämpfen als mit 30, aber mir kam es nie so vor, als wäre ich “zu” jung dafür. Ich hatte natürlich etwas Angst davor, aber ich glaube, dass das Alter sehr wenig mit der Angst zu tun hat. Schließlich haben auch 35jährige Angst, wenn es um die wichtige Aufgabe geht ein Kind zu gebären, es zu versorgen und es zu erziehen.

Dass es in unserer Karriere- und Geldgeilheitsgesellschaft normal ist, dass man erst mit 40 oder später Kinder bekommt, ist ja nichts Neues an sich. Was ich aber immer wieder erlebt habe sind Anfeindungen dieser Mütter gegenüber jungen Müttern, wie mir. Da gab es nicht nur auf Spielplätzen, bei Kinderärzten oder im Kindergarten den ein oder anderen dummen Spruch.

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    • “Du bist ja selber noch ein Kind”
    • “Du hast keine Lebenserfahrung, wie willst Du dann ein Kind erziehen?”
    • “Was hat man einem Kind Anfang 20 schon zu bieten?”
    • “Mit 20 hab ich grad mal aufgehört Barbie zu spielen” (inklusive dämlichem Lachen)

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Das waren nur die harmlosesten aller Sprüche. Mittlerweile lache ich über diese Sprüche, weil sie mir egal sind. Ich habe auch vor einiger Zeit mit dem Vater einer Freundin gesprochen, der Kinderarzt ist. Dieser meinte:  “Ich sehe es tagtäglich in meiner Ordination. Junge Mütter gehen mit ihren Kindern viel natürlicher um, als “alte”.” Klar, begründetet er, denn diese haben oft Torschlusspanik und sind froh gerade noch rechtzeitig ihr Kind zu bekommen, bevor sie in den Wechsel kommen. “Da wird das Kind zum Mittelpunkt des Lebens.” Und das sehe ich auch so. Viele dieser Mütter gehen total unnatürlich mit ihren Kindern um. Das kann man ganz leicht beobachten teilweise. Das Kind ist dann das Ein und Alles. Der Partner, Ehemann oder Lebensgefährt wird hinten komplett angestellt. Ebenso wie Freunde. Fortgehen? Sicher nicht! Und alles andere wird auch zur Nebensache.

Es gibt Frauen die nehmen ihre Kinder zuhause (!) aufs Klo mit. Stillen sie, bis sie in die Volksschule kommen und geben ihren Kindern nur Bio-Zeug zu essen. Und weil meine Tochter am Spielplatz Brezeln und Gummibärchen isst, bin ich eine Rabenmutter. Klar.

Auf Spielplätzen find ich dieses Phänomen der alten Mutter besonders lustig. Ständig wird den Kindern hinterhergegangen, die Nase geputzt, die Hose gerichtet, die Haarspange zurechtgerückt. Und wehe das Kind geht in die Sandkiste und nimmt einem anderen ein Spielzeug weg. “Nein, Theo, das darf man nicht.” Sagt wer? Kinder leben in ihrer eigenen Welt, sie machen sich viele Dinge untereinander aus. Da braucht man sich als Erwachsener doch nicht ständig einmischen. Und das Hochklettern an Klettergerüsten, Rutschen und irgendwelchen Türmen ist auch genau dafür vorgesehen. Erwachsene haben da oben nichts verloren.

Oder Spielsachen. Es kommen natürlich nur welche aus Holz in Frage. Barbie, Lego und Co. sind Teufelszeug. Hallo?! Kinder lieben bunte Sachen, mit denen sie spielen können. Und wenn einem Kind das An- und Ausziehen einer Barbie Spaß macht, heißt es nicht, dass es eine Antifeministin wird und ein falsches Bild vom weiblichen Körper bekommt. Denn die größere Rolle hier spielt immer noch die Mutter.

Diese Art Helikoptereltern – wie sie in der Pädagogik genannt werden – tun mir irgendwie leid. Sie können nicht loslassen. Sie verkraften es nicht, dass Kinder irgendwann die Brust der Mutter nicht mehr brauchen. Sie packen es auch nicht ganz, dass die Kinder irgendwann mobil werden, dass sie selbstständig werden und uns Eltern einfach immer weniger brauchen. Aber was ist schlecht daran? Ist es nicht Sinn der Sache, dass wir unsere Kinder zu selbstständigen Jugendlichen und Erwachsenen machen? Mit eigener Meinung und eigenem Weg die Dinge zu handlen? Schade eigentlich, denn was sie teilweise da heranziehen sind Muttersöhnchen. Und Töchter.

Und dazu brauche ich keine Lebenserfahrung, um das zu wissen. Dazu muss ich auch nicht erst 40 sein. Und ganz ehrlich: mir schmeckt das Öko-Zeug auch nicht. Finde Gummibärchen dann eben doch besser.

 

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10 Comments

  • Reply Alexander vD 9 Dec ’11 at 10:32

    Hmmmmm. Ich find ja ein Kind ist ganz unabhängig vom Alter der Eltern immer das Ein und Alles. Und das ist unabhängig von der angesprochenen “Selbstaufgabe” so.
    Bin selber eher der “alte” Dad, mache mir aber immer aufgrund von Handlungen und Taten ein Bild und lass mich vom juvenilen Aussehen dabei nicht beeinflussen. ;)

    Jeder wie er mag, kann, glaubt…. – Just, do your thing…. ;)

    • Reply Anonymous 9 Dec ’11 at 10:34

      Lieber Alexander. 
      Natürlich hast Du völlig recht, was das betrifft. Problem ist aber: Ein Kind sein Ein und Alles (nämlich im wahrsten Sinne des Wortes) zu sehen führt dazu, dass man sich selbst im Hintergrund lässt. Und ich bin überzeugt davon, dass glückliche Kinder nur jene sind, die auch glückliche Eltern haben :)

      • Reply Alexander vD 9 Dec ’11 at 10:55

        Ui, wenn schon mal was mit “Lieber Alexander” beginnt…. ;)

        In diesem Belang gibt es kein Schwarz und Weiß. Mein Sohn ist mein Ein&Alles und ich bin dennoch Individuum mit eigenem Anspruch. Es kann, tuts auch vielleicht oft, muss aber nicht zur Selbstaufgabe führen.

        Mag den Blogeintrag dennoch auch als AgedDad sehr, weil ich glaub dass manch ältere Eltern sich einfach nicht bewusst sind wie herablassend manche Kommentare ankommen.

        • Reply Anonymous 9 Dec ’11 at 10:58

          Also das “lieber Alexander” hatte gar keine spezielle Bedeutung, war lediglich ein Gruß :)

          Und ja, Ein&Alles ist klar. Mir ging es eben um die Selbstaufgabe, die ich nicht befürworten kann. 
          Schön, dass Dir der Beitrag gefällt, so war er nämlich auch gedacht. Um zu zeigen wie herablassend das sein kann.

  • Reply Opryde 9 Dec ’11 at 11:10

    mach dir nichts draus, ivy, sowas höre ich mir mit fas 28 noch an ..

    • Reply Anonymous 9 Dec ’11 at 11:20

      Traurig eigentlich. Aber auch Dir wird es irgendwann wurscht sein, so wie mir.

  • Reply Li Ne 9 Dec ’11 at 13:50

    Also 20 finde ich eigentlich nicht sooo jung. Wenn ich mir hier so ankucke dass die jungen Mütter oft erst 14-16 sind, dann ist 20 schon okay. ;)
    Ich sehe es genauso wie du, Selbstaufgabe kann nie für alle Parteien gut ausgehen. Habe hier eine Helikoptermutter (den Begriff finde ich ganz toll, noch nie vorher gehört. ^^) im Freundeskreis. Der arme Mann tut mir immer leid, weil er irgendwie nur noch als Anhängsel existiert. 

  • Reply Roman Korecky 9 Dec ’11 at 22:12

    Ich bin mit 19 das erste Mal Vater geworden und kann dir nur vollinhaltlich zustimmen. Nur beim Thema Süßigkeiten bin ich nicht ganz deiner Meinung. Hin und wieder sind sie ganz gut. Aber die ständige Verfügbarkeit führt leider zu dem, was man gemeinhin als ADHS bezeichnet. Aber Schwamm drüber: Letztlich sollten sich alle Eltern über das Endziel der Kindererziehung im Klaren sein. Dieses ultimative Ziel ist die Selbständigkeit der Kinder, also, dass sie den elterlichen Hafen verlassen, ausziehen, einen Beruf ergreifen und für ihren eigenen Unterhalt sorgen. Auf dieses Ziel sollte man im Grunde vom ersten Tag an hinarbeiten.

  • Reply Foxy 11 Dec ’11 at 13:47

    Ich war früher selbst immer der Meinung, dass man “zu jung” für ein Kind sein kann. Weil ich immer von mir ausging. Ich fühlte und fühle mich noch immer viel zu unreif um für ein Kind zu sorgen. Außerdem habe ich selbst Eltern, die etwas älter sind und habe das im Gegensatz zu den ganz jungen Müttern meiner Freunde immer positiv wahrgenommen. Mir kamen meine Eltern immer gelassener und ruhiger vor als die jungen Mamis meiner Freunde, die oft sehr überbesorgt und hysterisch waren.

    Wie so vieles kann man das aber auch nicht allgemein sehen. Es kommt glaube ich stark auf die eigene Persönlichkeit drauf an. Junge Mamis können sehr natürlich und ruhig mit ihren Kindern umgehen, genauso wie ältere Mamis.

    Eines will ich aber auch noch sagen: Mein Bild über junge Mamis hat sich auch stark geändert, als ich gesehen hab wie toll du mit Emilia umgehst und wie sorglos ihr das meistert. Du bist mir da wirklich ein Vorbild.

  • Reply mami 4 Feb ’12 at 16:17

    grundideen ja nicht schlecht, aber wozu ist diese gut böse gegenüberstellung zwischen jungen und alten eltern so zentral, fühlt sich da jemand ständig auf den schlips getreten? wir haben kinder mit 20 28 und 37 bekommen und es ist immer anders und immer wunderbar und immer total herausfordernd. egal wie alt wir waren. und ich kann mich nicht erinnern, dass ich eines der unterschiedlichen alter für das “beste” für kids gehalten habe…

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