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Tag 17 – Augen zu und irgendein Buch aus dem Regal nehmen

17 Jul ’10

Ich hatte schon beim Wählen dieses Tages ein mulmiges Gefühl. „Augen zu und irgendein Buch aus dem Regal nehmen“ lautete mein Auftrag. Das mulmige Gefühl hat sich als Vorbote einer nicht unkomplizierten Buchrezension herausgestellt. Die Augen waren geschlossen. Zuvor noch 10-mal im Kreis gedreht. Und dann der Griff Richtung (im Nachhinein betrachtet: viel zu ungeordnetem) Bücherregal. Und Schwupps: Duden – Das Fremdwörterbuch.

Na toll. Klasse. Der Klappentext meint „Unentbehrlich für das Verstehen und den Gebrauch fremder Wörter“. Für ein Buch-Rezensions-Projekt aber dann doch entbehrlich. Aber ok – das sind die Spielregeln. Dann wird halt mal der Duden rezensiert.

Während sich die Einleitung noch etwas schleppend liest, wandelt sich der Hauptteil schnell zu einem kurzweiligen Abenteuer. Kurze, prägnante Satzbauweise machen die 26 Kapitel zum abwechslungsreichen Slalom durch die Untiefen der deutschen Sprache. Wo wir auch schon beim Thema wären: Dieses Buch bildet einen Ratgeber für Menschen, die bei jeder Gelegenheit zeigen möchten, welch breit gestreutes Vokabular sie besitzen und damit ihre Gesprächspartner wahlweise beeindrucken oder abschrecken möchten. Die Wortwahl ist oft spektakulär und geht weit über den durchschnittlichen Wortschatz des Otto-Normal-Autors hinaus. Das zeitungsähnliche Spaltendesign entwirft kurze, knappe, absatzreiche Abschnitte, welche sich in ein sonst durchaus unspektakuläres Design einpassen. Dass die einzelnen Kapitel am Seitenrand deutlich markiert sind, erspart ein Lesezeichen. Die Taschenbuchausgabe macht auch das Lesen unterwegs zum Genuss. „Duden – das Fremdwörterbuch“ verzichtet vollständig auf Abbildungen und verwendet zusätzlich keine besonders bildhafte Sprache, was den Lesegenuss aber nicht mindert. Ein zusätzliches spannendes Charakteristikum bildet die Vertauschbarkeit der einzelnen Kapitel, ohne den Sinn der Aussage zu verändern.

Alles in allem ein Buch, das man nicht gelesen haben sollte und vor allem aus dem Weg geräumt haben sollte, bevor man sich blind ein Buch zur Rezension aus dem eigenen Bücherregal nimmt.


@teerenundfedern alias Mathias Pascottini ist 18 Jahre alt und kommt aus der Steiermark. Über die große Welt, sein mittelgroßes Lebensumfeld und die kleinen Freuden und Dramen des Lebens bloggt er auf http://teerenundfedern.wordpress.com . Und ja, er räumt jetzt sein Bücherregal auf, um beim nächsten Mal über literarisch Wertvolleres schreiben zu können

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5 Comments

  • Reply ahabicher 17 Jul ’10 at 12:16

    Ausgezeichnet beschrieben. Zufällig kenne ich dieses singuläre Konvolut auch und kann mich obiger, magnifiker Darstellung nur applaudierend anschließen.

  • Reply (mad) 18 Jul ’10 at 18:58

    Großartig!

  • Reply Tweets that mention Tag 17 – Augen zu und irgendein Buch aus dem Regal nehmen | ivy machts net -- Topsy.com 18 Jul ’10 at 19:31

    […] This post was mentioned on Twitter by Iwona W., Bernhard Madlener. Bernhard Madlener said: Großartiger Text von @teerenundfedern auf http://ivy.machts.net/archives/512 #3131 #Literatur #lachen […]

  • Reply bobschi 21 Jul ’10 at 19:12

    Schwere Aufgabe, genial gemeistert! :) Wunderbar.

  • Reply lena 29 Jul ’10 at 10:19

    schön!
    ich hab das thema nicht genommen, weil meine 3 bücherregale an 3 verschiedenen orten in der wohnung stehen, also unvoreingenommen hätte ich das irgendwie nicht lösen können, außer blind eines pro regal und dann blind eines von den dreien – aber da hätte ichs am einband in der zwischenzeit schon 5x erkannt. ein dilemma! aber wen interessierts, schön gemacht!

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