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Tag 16 – Das 9. Buch in deinem Regal v.r.

16 Jul ’10

Es ist früher Morgen, als ich vor meinem Bücherregal stehe. Ein Lächeln umspielt meine Lippen, als ich mit den Fingerspitzen über die Bücherrücken streiche und beim neunten Buch von rechts verharre. Es ist ein Taschenbuch. Ich habe es schon seit mehreren Monaten nicht mehr in meinen Händen gehalten. Wenn die Muse mich zu ihm führte, las ich in ihm. Ließ die Worte über meine Lippen gleiten, schloß die Augen und lauschte ihrem Hall.

Ein Buch, das ein seltsames Gefühl in mir wach rüttelt. Ich kann nicht genau sagen, worin es begründet ist. Ein deutscher Dichter, der in seinem Werk sein Interesse, vielleicht sogar Verbundenheit zu dem Islam ausdrückt. Seinen Lehren durch sein lyrisches Ich Gestalt gibt. Eine Hommage an den persischen Dichter Hafis. Geschichten schreibt das Leben, die Phantasie. Lyrik braucht eine Muse. Inspiration und Emotion, die finden wir nur in Menschen. In der Zeit, als der Schimmer eines Knöchels, das Locken des Nackens und die Anmut eines Blickes Muse waren, Worte nicht dahingeworfen sondern Berührungen, war es eine Österreicherin der diese Rolle geschenkt wurde. Nicht die einzige Muse im Leben des Dichters, war sie doch einmalig, da auch ihre Worte im West-Östlicher Divan zu finden sind. Der Briefwechsel zwischen ihr und Goethe, ist ein wesentlicher Bestandteil der Gedichtsammlung.

Vollmondnacht

Herrin, sag, was heißt das Flüstern?
Was bewegt dir leis die Lippen?
Lispelst immer vor dich hin,
Lieblicher als Weines Nippen!
Denkst du deinen Mundgeschwistern
Noch ein Pärchen herzuziehn?
»Ich will küssen! Küssen! sagt ich.«

Schau! Im zweifelhaften Dunkel
Glühen blühend alle Zweige,
Nieder spielet Stern auf Stern;
Und smaragden durchs Gesträuche
Tausendfältiger Karfunkel;
Doch dein Geist ist allem fern.
»Ich will küssen! Küssen! sagt ich.«

Dein Geliebter, fern, erprobet
Gleicherweis im Sauersüßen,
Fühlt ein unglücksel’ges Glück.
Euch im Vollmond zu begrüßen.
Habt ihr heilig angelobet,
Dieses ist der Augenblick.
»Ich will küssen! Küssen! sagt ich.«

Goethes Worte können nicht immer meiner Seele schmeicheln. Manchmal wärmen und öffnen sie sie. An anderer Stelle wundere ich mich, dass sie den Weg aus Goethes Feder gefunden haben.

Ich habe den West-Östlicher Divan bis heute nicht vollständig gelesen, weiß nicht, wann dies der Fall sein wird. Sich Lyrik zu öffnen, sie zu fühlen, braucht den Moment, nicht den Willen.


Monika hat vorher noch nie in der dritten Person über sich geschrieben. Dies ist das erste Mal und ja, sie tut es für euch. Wenn es mich interessieren würde, wo Monika im weltweitem Web zu finden ist, würde ich diesem Link folgen http://www.netvibes.com/esaltata.
Ansonsten gilt: »Ich will küssen! Küssen! sagt ich.«

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2 Comments

  • Reply (mad) 16 Jul ’10 at 16:55

    Hm. Das Buch steht auch schon seit längerem in meinem Regal. Mal wieder reinschmökern.

  • Reply Tweets that mention Tag 16 – Das 9. Buch in deinem Regal v.r. | ivy machts net -- Topsy.com 16 Jul ’10 at 17:12

    […] This post was mentioned on Twitter by Iwona W., Bernhard Madlener. Bernhard Madlener said: Heute ein echter Klassiker: http://ivy.machts.net/archives/583 #3131 #goethe […]

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